Der Hamster

Hamster gehören zoologisch zur großen Gruppe der Nagetiere. Zu ihren näheren Verwandeten zählen die Feldmaus, die Bisamratte und die Wüstenrennmaus, was man auf dem ersten blick gar nicht vermuten würde. Aber all diese Tiere gehören - wie der Hamster - zur großen familie der Wühler, wissenschaftlich Cricetidae genannt, die weltweit vermutlich über 2000 Arten umfaßt.

Die wilden Verwandten unserer als Heimtiere gehaltenen Gold und Zwerghamster sind in Europa und asien zu Hause. Die europäischen und asiatischen Arten der Hamstersippschaft unterteilt man nach ihrer unterschiedlichen Größe gern in Groß,-Mittel und Zwerghamster.

Der einzige Vertreter der Großhamster in Europa und Asien ist der auch bei uns vorkommende Feldhamster Cricetus cricetus. Er hat fast Meerschweinchengröße und ist schon wegen seiner eigenbrötlerischen Lebensweise kaum als Heimtier geeignet; außerdem steht er in Deutschland unter Naturschutz.

Die Mittelhamster werden in erster Linie durch unseren wohlbekannten Goldhamster Mesocricetus auratus repräsentiert.

Der Goldhamster, heute ein millionenfach in aller Welt gehaltenes Tier, hat eine sehr eigentümliche Entdeckungsgeschichte. Wie wir sehen werden, hätte es ihm um ein Haar nie als Heimtier gegeben.

Es war im Jahre 1839, als der Naturforscher G.R. Waterhouse den ersten Goldhamster beschrieb. Das Tier war bei Aleppo in Syrien gefunden worden. Lange blieb es bei einem Tier, obwohl eine ganze Reihe von Wissenschaftern versuchten, weitere Goldhamster zu finden und über ihr Leben in der Natur zu berichten. Erst 1902 erhielt Prof. Nehring in Berlin einen Goldhamster, der ebenfalls aus der Nähe Aleppos stammen sollte.

Es sollten weitere 28 Jahre vergehen, bis Wissenschaftler zum ersten Mal lebende Goldhamster zu Gesicht bekamen. Im April 1930 war es, als dem Zoologen Prof. Aharoni von der hebräischen Universität Jerusalem dieser Glückstrffer gelang. In der Nähe von Aleppo grub er aus einem 2,5 m tiefen Bau ein Goldhamsterweibchen mit 12 Jungtieren von ca. 3 cm Länge aus. Es gelang ihm, alle am Leben zu erhalten, obwohl er seine Expedition fortsetzte und die Tiere einfach mitnahm. Auch hat er sie überwiegend mit Fleisch gefüttert. für Hamster ja ziemlich ungewöhnlich, da sie sich ja vor allem pflanzlich ernähren. Heute wissen wir, dass von Goldhamster Insekten und andere tierische Nahrung durchaus genommen wird, besonders von säugenden Weibchen.

Vier Monate nach diesem Fang gab es schon den ersten Nachwuchs unter den Jungen, ein Beweis ihrer Frühreife. Von diesen Nachkommen kamen 1931 durch S. Adler ein Männchen und zwei Weibchen lebend nach England. Sie haben sich dort schnell und stark vermehrt, so dass sie 1938 auch noch nach Amerika gebracht wurden. Auch dort vermehrten sie sich rasant.

Gleich nach dem Kriege, 1945, kamen die ersten von Amerika nach Deutschland. Überall wurden die Tiere dann für medizinische Versuche gezüchtet. Der Goldhamster galt als das ideale Versuchstier. Dass er noch weit mehr zum beliebtesten Heimtier unter den Nagern werden sollte, begann sich 1948 abzuzeichnen. So nahm der Goldhamster in den 50 er und 60 er Jahren einen Siegeszug in die Wohnungen der Tierfreunde auf der ganzen Welt.